Baustoff Holz – nicht wirklich modern, aber wirklich trendy
Kann man einen viele tausend Jahre alten Bau- und Werkstoff überhaupt “modern” nennen? - So, als hätten wir ihn gerade erst entdeckt und wären gerade erst auf seine zahlreichen Vorteile in puncto Nachhaltigkeit, Effizienz, Dämmung und Ästhetik aufmerksam geworden.
Ein bisschen fühlt es sich so in unserer bauvorbereitenden und baubegleitenden Branche tatsächlich an.
Natürliche Materialien wie Holz erleben derzeit eine Renaissance im Bauwesen, während den konventionellen Baustoffen wie Beton, Stahl und Glas scheinbar mehr und mehr die Puste ausgeht. Ein Blick auf aktuelle Bauprojekte wie das Roots in Hamburg oder die Stockholm Wood City zeigt, dass Holz als Baustoff derzeit Hochkonjunktur hat.
Wenn Sie mich fragen: Völlig zu Recht!
Eines der Hauptargumente für den wiederbelebten Einsatz von Holz im Bauwesen ist seine Nachhaltigkeit. Im Gegensatz zu Beton, der bei seiner Herstellung große Mengen an CO2 freisetzt, binden Bäume während ihres Wachstums CO2 und speichern es in ihrem Holz. Dadurch können Holzgebäude als eine Art Kohlenstoffbank dienen, die das Treibhausgas für die Dauer ihrer Existenz speichert. Der Ansatz wird von führenden Klimaforschern wie Hans Joachim Schellnhuber unterstützt und hat das Potenzial, die globalen Kohlenstoffemissionen erheblich zu reduzieren.
Holz ist unglaublich vielseitig, hat grossartige bauphysikalische Eigenschaften und kann in quasi jeder Bauphase zum Einsatz kommen. Als natürlicher Baustoff reguliert Holz die Luftfeuchtigkeit und sorgt für ein angenehmes Raumklima. Zudem besitzt es eine gute Wärmedämmung, was zu einer Senkung des Energieverbrauchs und der Heizkosten führen kann. Dabei massgebend sind eine Raumhöhe von etwa 3,10 Metern und dicke Aussenwände, die für einen Puffer an frischer Luft sorgen und Energie sparen, da weniger gelüftet werden muss. Klimatisierung und Lüftungssysteme von gigantischen Bauprojekten aus Stahl, Glas und Beton werden in Gebäuden mit sehr hohem Holzanteil so nicht benötigt. Diese Eigenschaften machen Holz nicht nur zu einer umweltfreundlichen, sondern auch zu einer ökonomisch sinnvollen Wahl für Bauherren.
Die natürliche Maserung und Farbgebung verleihen Holzgebäuden eine einzigartige und warme Atmosphäre, die nachweislich zum Wohlbefinden der Bewohner bzw. Nutzer beiträgt. Diese ästhetischen Qualitäten machen Holz zu einem beliebten Baustoff, der sowohl im Wohn- als auch im Geschäftsbereich immer mehr Anhänger findet.
Trotz der zahlreichen positiven Aspekte müssen der Verbrauch und der Verbau von Holz mit Bedacht geplant und umgesetzt werden. Zum einen steht die begrenzte Verfügbarkeit des Rohstoffs im Raum, insbesondere wenn die Nachfrage weiter steigt. Die Schweiz, Deutschland und Österreich sind verhältnismäßig stark bewaldete Gebiete; der nachwachsende Rohstoff wird allerdings auch auf den ausgewiesenen Zuchtflächen regelmässig geerntet und trägt so nur begrenzt zu einer nachhaltigen CO2-Speicherung durch dauerhafte Begrünung bei. Der Klimawandel mit Extremwettern und hohen Temperaturen bedeutet für den Baustoff einen zusätzlichen Stresstest.
Laut Schweizer Wissenschaftlern könnten die Spitzentemperaturen in Zentraleuropa in 30 Jahren um 3,6 bis 4,1 Grad Celsius steigen, besonders in dicht bebauten Großstädten. In vielen derzeit populären Holzhäusern könnte es daher unangenehm heiß werden, da ihnen die Speichermasse fehlt, um Temperaturschwankungen abzufedern. Holzhäuser aus Ständerwerk, leichter Dämmschicht und Fassade heizen sich schneller auf und kühlen schneller aus. Viele müssten daher mit energiefressenden Klimaanlagen nachgerüstet werden, was die Klimakrise weiter verschärfen könnte.
In Anbetracht dieser Herausforderungen und Potenziale ist es wichtig, einen ausgewogenen Ansatz bei der Wahl des Baustoffs zu verfolgen und den Einsatz von Holz klug und nachhaltig zu planen. Wir von bolle. bau. consulting. management. möchten eine wirklich zukunftsfähige und nachhaltige Bauweise implementieren, die naturverträgliche Lebensqualität und architektonische Ästhetik vereint.